
Am 5. Juli war es wieder soweit: Schülerinnen und Schüler der Berufs-fachschule für Krankenpflege an der Helios Frankenwaldklinik Kro-nach schenkten einem bereits vertrockneten Baum neue Blätter, jedes beschrieben mit einem Haiku, einem traditionell japanischen Gedicht.
In der klassischen japanischen Gesellschaft, die kaum öffentlichen Raum für die Darstellung eigener Gefühle lässt, funktionieren die formal strengen Haiku seit jeher als künstlerisch akzeptiertes Ventil, um den eigenen Seelenzustand in Worte zu kleiden, ohne dabei die Gefühle selbst beim Wort zu nennen. Über das Schreiben von Haiku finden die Autorinnen und Autoren zu sich und verarbeiten ihre Emotionen.
Für die angehenden Pflegekräfte der Berufsfachschule gehört der Umgang mit Patientenschicksalen und ihren eigenen Erlebnissen fest zu ihrem künftigen Berufsbild. Deswegen legt nun schon seit mehre-ren Jahren die Schulleitung besonderen Wert darauf, dass im Rahmen des Unterrichts neben den medizinischen und pflegerischen Lehr-inhalten auch Wege zur Verarbeitung alltäglicher Eindrücke vermittelt werden.
In enger Zusammenarbeit mit dem bekannten Kronacher Schriftsteller Ingo Cesaro werden bereits seit 1996 etwas andere Deutschstunden organisiert, in denen die Schülerinnen und Schüler in die Kunst des Haiku eingeführt werden. Ihre selbstverfassten Gedichte geben einem toten Baum gleichermaßen neues Leben.
Der Haiku-Baum hat seinen Platz gefunden vor dem Haupteingang der Helios Frankenwaldklinik. Patienten, Besucher und Interessierte sind herzlich eingeladen, in den kommenden Wochen vorbeizu-schauen und selbst einen Blick auf die kleinen literarischen Arbeiten zu werfen.