Ohne ihn wäre der Geflügelzuchtverein Wildenheid nicht das, was er heute ist: Seit mehr als 60 Jahren ist Ernst Fleischmann Mitglied im Vorstand des Vereins, die ersten zwanzig Jahre als Hauptkassierer, seit 1978 als Vorsitzender des Vereins. Ans Aufhören denkt der 81jährige noch lange nicht: Noch mindestens bis zur Jubiläumsfeier zum 125jährigen Bestehen des Vereins möchte er Vorsitzender bleiben und das Vereinsleben aktiv mitgestalten. So ist der gebürtige Wildenheider ein echtes Unikat und in Neustadt und in den Geflügelzüchterkreisen von Flensburg bis Garmisch-Patenkirchen und von Rheinland bis in die Spree ein geschätzter Freund, Wegbegleiter und Kenner in der Rassegeflügelzucht.

Sehr erfolgreicher Geflügelzüchter

Die Geflügelzucht ist für Ernst Fleischmann mehr als nur ein Hobby. Mit viel Herzblut geht der gebürtige Wildenheider bis heute der Taubenzucht, seiner großen Leidenschaft, nach und erzielte wahrscheinlich auch deshalb in der Vergangenheit einmalige große Erfolge: Die Goldene Münze für seine Thüringer Schwalben war die erste Auszeichnung, die Ernst Fleischmann in seinen Anfangsjahren im Vorstand des Vereins erhalten hat – viele weitere Ehrungen folgten. Mit seinen Thüringer Schwalben und den Thüringer Weißköpfen wurde er 17 Mal Bayerischer Meister, sieben Mal holten seine Tauben den Deutschen Meistertitel und einmal schaffte er es als Bundessieger ganz oben aufs Siegertreppchen. Für sein jahrzehntelanges Engagement wurde er mit der Goldenen Ehrennadel des Landesverbandes Bayern im Bundesverband deutscher Rassegeflügelzüchter geehrt, im Jahr 2000 wurde er Meister der bayerischen Rassegeflügelzucht und im Jahr 2008 folgte die Ernennung zum Ehrenmeister des Bundes deutscher Rassegeflügelzüchter. Für diese großen Erfolge erreichte ihn auch über die Züchterkreise hinaus große Anerkennung: Die Stadt Neustadt verlieh ihm für seine Verdienste in der Rassegeflügelzucht die goldene Stadtmedaille. Ernst Fleischmann engagiert sich allerdings nicht nur als aktiver Geflügelzüchter, sondern ist bis heute als deutschlandweit geschätzter Preisrichter für Farben-und Formentauben unterwegs. Egal ob auf der Lokalschau in Effelder oder Schneckenlohe oder wiederrum auf den Nationalen Bundesiegerschauen in Leipzig, Frankfurt und Erfurt, so ist er in der Zeit von Ende Oktober bis Anfang Januar ein gefragter Kenner in der Taubenszene und wirft auf die ausgestellten Tauben einen genauen Blick und entscheidet welches Tier das Beste ist und den begehrten Champion- bzw. Siegertitel erhält.

Eine weitere Leidenschaft

Nicht nur in der Geflügelzucht kann Ernst Fleischmann auf viele Erfolge zurückblicken. Auch beruflich hat er großes erreicht: 1952 begann er seine Lehre als Maschinenschlosser im Lokschuppen Coburg, arbeitete sich Stück für Stück nach oben und war zuletzt Lok-Leitung in Lichtenfels. An eine Zugfahrt denkt der gebürtige Wildenheider heute schmunzelnd zurück: Er durfte bei der Premierenfahrt beim Lückenschluss zwischen Neustadt und Sonneberg vorne im Führerstand sitzen und ließ sich von der Begeisterung der jubelnden Zuschauer so anstecken, dass er vor lauter Winken vergaß, einen Kontrollknopf zu drücken. An diesem freudigen Tag war die darauffolgende Notbremsung bei nicht viel mehr als Schrittgeschwindigkeit schnell vergeben.

Familiäres Glück

Die Karriereleiter nach oben klettern und gleichzeitig auch privat in der Taubenzucht durchstarten – das hat Ernst Fleischmann auch der Unterstützung von seiner Familie zu verdanken. Während er morgens und abends seine 120 Tauben versorgt und die Volieren reinigt, hält ihm seine Ehefrau Inge verständnisvoll den Rücken frei. „Wenn er bei seinen Tauben ist, dann kommt er einfach zur Ruhe“, erzählt sie. Und auch, wenn im Alltag zwischen Taubenzucht und Eisenbahn manchmal nur wenig Zeit für die Familie blieb: Die vielen schönen Urlaube am Neusiedler See haben alles wieder wett gemacht.