Coburgs IHK-Präsident Friedrich Herdan fordert ein rasches Fortschreiten beim Ausbau der neuen Stromtrasse von Thüringen nach Bayern

Mit Besorgnis blickt die IHK zu Coburg auf die aktuellen Entwicklungen bei der Bewältigung der Energiewende.

„Gerade für den Coburger Raum ist die rechtzeitige Fertigstellung der Thüringer Strombrücke von Altenfeld in Thüringen nach Redwitz von existenzieller Bedeutung, da Ende 2015 das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz geht“, betont IHK-Präsident Friedrich Herdan. Vor diesem Hintergrund fordert Herdan eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren und fordert die Kommunalpolitik auf, das Projekt nach Kräften zu unterstützen.

Das Thema Energiewende hatte auch große Bedeutung beim wirtschaftspolitischen Meinungsaustausch der neun bayerischen IHK-Präsidenten und Hauptgeschäftsführer vor kurzem in Coburg mit Staatsminister Martin Zeil, Staatssekretärin Katja Hessel und FDP-Landesfraktionsvorsitzendem Thomas Hacker. „Werden keine grundlegenden Erfolge bei Strompreisbremse, Sicherstellung der Versorgungssicherheit durch den zügigen Ausbau von Übertragungsnetzen und Aufbau von Speichertechnologien erzielt, läuft die Wirtschaft in ein hohes Risiko“, so Professor Erich Greipl, Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages.

Die bislang einzige Höchstspannungsleitung zwischen den ostdeutschen Bundesländern und Bayern (Remptendorf-Redwitz) ist chronisch überlastet. In Deutschland ist sie nach Angaben des Netzbetreibers TenneT „die mit Abstand am meisten belastete Leitung“, und sie kann nicht aufgerüstet werden. An diesem Nadelöhr sind deshalb immer häufiger regulierende Eingriffe in das Netz nötig, um die Systemstabilität und damit die Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten. Diese Eingriffe sollen eigentlich Ausnahmen sein, doch aufgrund des fundamentalen Wandels der Stromproduktion hin zu erneuerbaren Energien sind sie alltäglich geworden. Diese sogenannten „Redispatch“-Maßnahmen für die Leitung verschlingen jährlich etwa 100 Mio. Euro. Diese Kosten bezahlt jeder Stromverbraucher über die Netzentgelte. 

Mit dem Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie ist der Netzausbau das zentrale Instrument, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen. Durch die Abschaltung der ersten Kernkraftwerke fehlen bereits heute in den südlichen Verbrauchszentren 8.000 Megawatt an Stromerzeugung. Geht das KKW Grafenrheinfeld vom Netz entsteht ein weiterer Verlust von 1.275 Megawatt in Franken. Dieser kann nur durch Stromtransport, vor allem aus Nord- und Ostdeutschland, ausgeglichen werden. Für diese Transportaufgaben ist das bestehende Höchstspannungsnetz aber nicht ausgelegt. Regenerative Energiequellen, somit auch der dezentral erzeugte Strom in Oberfranken, stehen nicht in gleichem Maße und nicht immer 24 Stunden zur Verfügung wie das bei Großkraftwerken der Fall ist.

Für unsere energieintensiven Unternehmen, aber auch für private Verbraucher ist die Leitung von Altenfeld nach Redwitz daher von zentraler Bedeutung. Redwitz ist ein wichtiger Knotenpunkt für die Verteilung des Stroms in die Netze in Oberfranken, vor allem in den Landkreis Coburg. Im Interesse der gebotenen Versorgungssicherheit muss eine weitere Verbindung zwischen Thüringen und Bayern dringend für Entlastung sorgen, fordert Herdan. „Die Strombrücke darf nicht scheitern, ansonsten drohen Ausfälle in der Versorgung für Wirtschaft und private Haushalte speziell in unserer Region.“

Industrie- und Handelskammer zu Coburg