
Heute: Wolfgang Beiergrößlein – Bürgermeister der Stadt Kronach
Wolfgang Beiergrößlein wurde vor wenigen Wochen zum zweiten Mal nach 2008 zum Ersten Bürgermeister der Stadt Kronach gewählt.
Was sind ihre vornehmlichsten Ziele für die Stadt Kronach?
Beiergrößlein: Es gibt so viele Einzelprojekte, die ich in meinem Wahlprogramm aufgezeigt habe, dass ich nicht einzelne herausstellen möchte. Insgesamt gilt es, Kronach als liebens- und lebenswerte Stadt zu erhalten und zu gestalten.
Sie sind Rathauschef einer der schönsten und ältesten Städte in Oberfranken. Wird der Tourismus, was sich ja anbietet, weiter ein Hauptthema der Stadtentwicklung sein?
Beiergrößlein: Nicht das Hauptthema, aber eines der wichtigsten Standbeine. Mit dem Festungsnutzungskonzept wurde bereits ein Grundstein gelegt. In den nächsten Jahren werden zahlreiche weitere Bausteine, wie die Festungsherberge, ein Tagungsbereich oder museale Räume fertig gestellt. Erst dieser Tage wurde die Fränkische Galerie nach Umbau und Modernisierung, insbesondere was die Lichttechnik betrifft, wiedereröffnet. Einen Besuch kann ich jedem nur empfehlen.
Wird es auch weiterhin die „Faust-Festspiele“ und „Kronach leuchtet“ geben?
Beiergrößlein: Sicher werden wir alles daran setzen, diese kulturellen Highlights für Kronach zu erhalten und weiter auszubauen. Wichtige Säule dieser und anderer Events (Crana Historica, Stadtspektakel, Freischießen) sind aber die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen und Verbänden, die sich in vorbildlicher Weise engagieren und der Stadt diese kulturellen Höhepunkte durch ihren Einsatz überhaupt erst ermöglichen.
Nach dem „Fast-Loewe-Aus“ hat die Stadt einen Großteil der Grundstücke erworben. Was wird auf dem Gelände passieren? Ist da schon in naher Zukunft mit Neuigkeiten zu rechnen?
Beiergrößlein: Wir hoffen, dass mit dem Einstieg eines Investors bei LOEWE jetzt zunächst der „Turnaround“ geschafft wurde und sich die Lage beim Kronacher Traditionsunternehmen wieder stabilisiert. Daher wurden die Grundstücke auch erst einmal durch LOEWE wieder angemietet. Nur wenn LOEWE langfristig nicht die gesamte Fläche benötigt, werden sich Änderungen ergeben.
Wird es neue Industrie- und/oder Gewerbeansiedlungen in Kronach geben? Sie haben sich in Ihrem Wahlflyer für die Erhaltung und Schaffung neuer Arbeitsplätze ausgesprochen.
Beiergrößlein: Es besteht seitens der Stadt ein enger Kontakt zu den heimischen Wirtschaftsbetrieben. Neue Arbeitsplätze müssen nicht unbedingt mit der Neuansiedlung von Unternehmen einhergehen, auch wenn das natürlich toll wäre. Ein Schwerpunkt liegt hier derzeit in der Unterstützung und Standortsicherung der bestehenden Betriebe. Es gab in der jüngsten Vergangenheit er-freulicherweise zahlreiche Betriebserweiterungen, weitere sind geplant.
Wie wollen Sie den Bevölkerungsrückgang stoppen bzw. Neubürger gewinnen?
Beiergrößlein: Der Bevölkerungsrückgang ist zunächst ein Problem, das ganz Deutschland trifft. Zu meinen, dies könne in Kronach komplett abgefangen werden, ist illusorisch. Unsere Aufgabe muss aber darin bestehen, den Wegzug von jungen Menschen in die Ballungsräume zu verhindern bzw. Kronach auch für Neubürger attraktiv zu machen. Die wohl wichtigste Voraussetzung hierfür sind die bereits angesprochenen qualifizierten Arbeitsplätze. Aber auch die Stadt selbst ist gefordert, bestmöglichste Bedingungen zu schaffen, damit die Bürger Beruf und Familie ideal in Einklang bringen können. Dafür wurde in den letzten Jahren viel getan: Wir haben uns als kinder- und familienfreudige Stadt aufgestellt und insbesondere großzügig in die Kindertageseinrichtungen investiert. Als Zukunftsprojekt steht nun die Ansiedlung von Fachhochschuleinrichtungen an, um die berufliche Qualifizierung direkt vor Ort und in enger Abstimmung mit der Wirtschaft zu ermöglichen.
Neben Ihrem Erfolg hat auch Ihre Partei, die Freien Wähler, im Stadtrat zugelegt. Die FW haben jetzt drei Sitze mehr. Ist das auch eine Bestätigung des Wählers über die beständige und sachorientierte Arbeit?
Beiergrößlein: Ein Bürgermeister ist immer so gut wie die Mannschaft, die hinter ihm steht. Das gilt für die Fraktion der Freien Wähler, aber auch für alle Stadtratskolleginnen und -kollegen, die in den letzten sechs Jahren an der Sache orientiert gearbeitet haben.
Lieber Herr Bürgermeister, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen allseits eine glückliche Hand im Bestreben um das Wohl Ihrer Heimatstadt Kronach.
Das Gespräch führte Herbert Schellberg
Zur Person:
Wolfgang Beiergrößlein ist 59 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Von 1972 bis 2008 war er Verwaltungsfachangestellter im Landratsamt Kronach und dort auch im Personalrat engagiert. Seit 1996 engagiert sich Wolfgang Beiergrößlein im Kronacher Stadtrat und war bis zur Übernahme des Chefsessels in der Lucas-Cranach-Stadt 3. Bürgermeister. Er gehört den Freien Wählern an.