
Wer 18 Jahre alt ist, seit mindestens zwei Monaten im Landkreis wohnt und die deutsche oder eine Staatsangehörigkeit in einem der Mitgliedsstaaten der EU hat, hat in den letzten Wochen Post bekommen: Eine Wahlbenachrichtigung steckte im Briefkasten , da der bisherige Landrat Michael Busch nach der Landtagswahl im vergangenen Jahr als Abgeordneter des Landtags in München tätig ist und am 27. Januar sein Nachfolger gewählt wird. Bevor die Erwachsenen ihre Stimme abgeben, sind aber zuerst die Kinder und Jugendlichen an der Reihe gewesen. „Die Couc h“ hat Halt im Landratsamt gemacht, damit die Kinder und Jugendlichen ihre Fragen an die Kandidaten der Landratswahl stellen konnten. Die Kandidaten nahmen sich Zeit, um sachlich und verständlich zu antworten, bevor es für die Kinder und Jugendlichen Pizza gab und sie ihre Stimme in einer geheimen Wahl abgegeben haben.
Dabei lagen ganz unterschiedliche Themen den Kindern und Jugendlichen am Herzen.
Die erste Frage betraf vor allen Dingen die Fabrikgebäude im Landkreis: Die seien meist trist und grau, meinte eine Schülerin und wünschte sich, dass auch die Industriegebiete bunt und abwechslungsreich gestaltet werden. Martin Stingl (SPD) verwies darauf, dass es in Neustadt, wo er 3. Bürgermeister ist, schon viele bunte Häuser gebe. Der zukünftige Landrat könne aber durchaus die Gemeinden anregen, mehr bunte Firmengebäude zu erlauben. Sebastian Straubel (CSU) sagte, dass die Gebäude seiner Meinung nach ruhig bunter sein könnten, das aber nicht immer von allen gewünscht sei – so geschehen bei der Lautertaler Schule, die grün gestrichten wurde, woraufhin er als Lautertals Bürgermeister zahlreiche freudige Anrufe aber auch Beschwerden bekam.
Weiterhin kam eine Jugendliche mit dem Anliegen, dass sie viele Schüler kenne, die nur schlecht oder gar nicht schwimmen können. Sie fragte, wie die Kandidaten dagegen angehen wollen. Dagmar Escher (Bündnis 90/die Grünen) könne sich ein Konzept für Kindergärten vorstellen, sodass die Kinder frühzeitig geschult werden. Auch Christian Gunsenheimer (FW) wolle das Ministerium dazu anregen, den Schwimmunterricht so in den Unterrichtsplan mit einzuarbeiten, dass die Kinder genau dann Schwimmunterricht haben, wenn sie auch in dem Alter sind, in dem sie gut und nachhaltig Schwimmen lernen können. Sebastian Straubel (CSU) wolle einmal dafür sorgen, dass genügend Schwimmkurse angeboten werden, aber auch gewährleisten, dass die Schwimmbäder in der Region erhalten bleiben. Martin Stingl (SPD) wolle alle Förderungsmaßnahmen, durch die die Schwimmbäder in der Region bereits gefördert werden und der Schwimmsport für die Kinder attraktiv gemacht wird, aufrecht erhalten – und zugleich dafür sorgen, dass die Kinder durch öffentliche Verkehrsmittel einfacher zu den Schwimmbädern gelangen, um die Angebote auch nutzen zu können.
Ebenfalls stellte eine Jugendliche den Kandidaten die Frage, was sie denn in den ersten 100 Tagen als Landrat als erstes anpacken wollten. Martin Truckenbrodt (ödp) wolle sich die Zeit nehmen, um die Mitarbeiter des Landratsamts kennenzulernen – und sich anschließend um die Stromtrassen und den Millionenverlust bei Regiomed kümmern. Auch für Martin Stingl (SPD) habe das Thema Regiomed Vorrang – gerade, weil er die ärztliche Versorgung im Coburger Land gewährleisten möchte. Ähnlich sieht es auch Dagmar Escher (Bündnis 90/die Grünen). Neben dem Thema Regiomed wolle sich Sebastian Straubel (CSU) auch um den öffentlichen Nahverkehr im Coburger Land kümmern – denn momentan seien die Fahrpläne nicht zu 100 Prozent ausgereift und es komme gerade im Berufsverkehr oft zu Verspätungen. Christian Gunsenheimer (FW) wolle vor allen Dingen die Beziehungen zwischen Coburg Stadt und Coburg Land prägen – und über die Grenzen der Region hinaus. Nur so habe die Region die Chance, als Einheit gegen neue Stromtrassen zu protestieren.
Nach der Diskussion gab es für die Jugendlichen Pizza, bevor sie schließlich ihre Stimme abgegeben haben. Für welchen Kandidaten sich die Jugendlichen entschieden haben, wurde noch nicht veröffentlicht. Wie die Erwachsenen abgestimmt haben, erfahren Sie nach der Abstimmung am kommenden Sonntag auf unserer Webseite.