Das Akteursnetzwerk H2-Well zur Entwicklung einer Modellregion zur Umsetzung von Wasserstoff-Technologien vor Ort hat allen Grund zu feiern: Als eines von 20 Innovationsprojekten konnte es sich in einem zweistufigen, aufwendigen Auswahlverfahren der Förderkulisse “WIR! Wandel durch Innovation in der Region” in den Neuen Bundesländern durchsetzen und wird in den kommenden fünf Jahren mit zirka 15 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesforschungsministeriums unterstützt.

Das Antragskonzept wurde maßgeblich von Partnern aus Sonneberg und Apolda getragen und von der Bauhaus-Universität Weimar, dem in Erfurt ansässigen Verein SolarInput sowie der Firma AVX / Kumatec Hydrogen GmbH & Co.KG aus Neuhaus-Schierschnitz im Landkreis Sonneberg initiiert und koordiniert. Prof. Dr. Mark Jentsch von der Bauhaus-Universität Weimar war damit beauftragt, die Projektansätze zwischen der Elbe in Sachsen-Anhalt, Thüringen und dem Main in Oberfranken, wie das Projektgebiet grob umschrieben ist, zusammenzufassen. Dabei stellten sich schnell zwei Schwerpunktregionen heraus – um Apolda sowie um Sonneberg und die Nachbarstadt Neustadt bei Coburg. „Wir waren mehr als überrascht, wie viel Ansatzpunkte wir zwischen Apolda, Dessau-Roßlau, Jena, Nordhausen und Sonneberg gefunden haben“, so Prof. Dr. Mark Jentsch. So entstand die Grundidee des Konzepts: mit einer Zukunftstechnologie Regionalentwicklung betreiben, indem sich möglichst viele örtliche Akteure in den Prozess des Strukturwandels einbringen und somit vor Ort Wertschöpfung entsteht, die langfristig Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern, Steuern und Entwicklungspotenzial sichert.

Wenn Prof. Dr. Mark Jentsch und Dr. Joachim Löffler von Kumatec fünf Jahre in die Zukunft blicken, denken sie an „Projekte mit Modellcharakter, die eine Ausstrahlung weit über unsere Region hinaus erzielen“ und an „Potentiale für den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit mit Energie“ und einen „selbstbestimmten Strukturwandel als Grundlage einer verantwortungsvollen regionalen Wertschöpfung“ und sogar an einen „Transformationsprozess in ein postfossiles Zeitalter“. Noch ist das eine Vision, für die es sich aber lohnt, aktiv zu werden. Die Fördermittel des Bundes können und werden diesen Prozess in den nächsten fünf Jahren kräftig unterstützen – doch letztlich sind es die Menschen, die Köpfe, die dafür sorgen, dass mit dem Geld etwas Lohnenswertes passiert.

Gehört hat den Startschuss natürlich auch Dr. Heiko Voigt, Bürgermeister der Stadt Sonneberg. Zusammen mit z.B. den Wasserwerken Sonneberg um Werkleiter Bernd Hubner hat er die H2-Well Initiative von Anfang an mit großem Nachdruck unterstützt und gefördert: „Das Potential des Projekts sind die Menschen gerade bei uns vor Ort, die oftmals regelrecht von einem Wasserstoff-Virus infiziert sind. Wir sind davon überzeugt, dem Wasserstoff gehört in vielfältigen Anwendungen die Zukunft, während viele heutige Techniken eher als Übergangstechnologie anzusehen sind.“ Dr. Voigt verweist auf die strukturprägende Rolle Sonnebergs in der Vergangenheit als Weltspielzeugstadt, als die Stadt die industrielle Revolution in diesem Sektor vorangetrieben hat. „Etwas Ähnliches stelle ich mir für den Wasserstoff vor. Hier wollen wir eine aktive und gestaltende Rolle zum Beispiel als Mitglied in der Europäischen Metropolregion Nürnberg einnehmen.“ Deshalb wolle und werde die Stadt Sonneberg das Projekt „mit all der uns zur Verfügung stehenden Kraft und Ressource“ unterstützen. Dies könnten Flächen für Unternehmensansiedlungen, kommunale Strukturen oder der im vergangenen Jahr gegründete Förderverein HySON sein, der aktuell dabei ist, ein operativ arbeitendes Institut für Wasserstofftechnologie in Sonneberg an den Start zu bringen. „Und wir werden mit unseren kommunalen Unternehmen auch Anwendungsfälle für Wasserstofftechnologien ermöglichen, um Dinge zu testen, die bisher noch nie getestet wurden.“